Ghana-Tagebuch Teil 10: Plumps und Co.

Ich bin zu Besuch bei Kofi und seiner Familie, die in einer Baracke im Ghetto wohnt. So ist es ganz normal, dass es kein fließendes Wasser und auch kein Abwassersystem gibt. Trotzdem – mir drückt die Blase. Um zur Toilette zu gelangen muss ich von Kofis Zimmer hinaus ins Internet-Café und von dort durch die Küche. Die Küche beherbergt einen Gasherd, eine Gasflasche, ein paar Regale mit Töpfen und einer Wassertonne. Mit dem Wasser aus der Tonne wird gekocht und gewaschen. Kofis Schwester steht am Herd und kocht unser Mittagessen. Sie zeigt mir den Weg. An die Küche grenzen der Waschraum und die Toilette. Beide Kammern sind nur durch halbe Türen von der Küche getrennt, so dass man Füße und Kopf sehen kann, wenn besetzt ist. Der Waschraum ist ein Viereck aus Lehmwänden, nur zur Hälfte vom Dach bedeckt. In einer Ecke stehen zwei Wassereimer, daneben liegt ein Stück Seife.

Ich gehe in die andere Kammer mit der Toilette und ziehe die Tür zu. Wenn ich auf Zehenspitzen stehe, dann sehe ich Kofis Schwester am Herd. Ich öffne den Toilettendeckel und sehe hinunter. Aus der Sickergrube schlägt mir ein so durchdringender Gestank entgegen, der sofortigen Brechreiz bei mir auslöst. Verdammte Kacke! Ich verfluche meine Empfindlichkeit. Zum Donnerwetter, das ist doch nichts Unbekanntes. Warum stelle ich mich nur so an? Meine Großeltern hatten früher auch ein Plumpsklo im Hof, allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass es so bestialisch gestunken hat. Nun ja, zuhause herrschen auch keine tropischen Temperaturen. Ich halte den Atem an, unterdrücke den Reiz, der meinen Mageninhalt nach oben katapultieren will. Der Innenrand der Toilette ist mit einer weißen kristallinen Schicht bedeckt. Später erklärt Kofi mir, dass dies ein Mittel ist, um Tiere davon abzuhalten, aus der Grube hochzukommen.

Nachdem ich den Klodeckel geschlossen habe, stürze ich aus dem Raum in die Küche und hinein in den halboffenen Waschraum, recke meine Nase gen Himmel und schnappe nach Luft. Nachdem ich wieder zu Atem gekommen bin, wasche ich meine Hände in einem der Eimer und gehe zurück in die Küche, wo Kofis Schwester mich strahlend erwartet. Essen ist fertig!

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2 Kommentare zu “Ghana-Tagebuch Teil 10: Plumps und Co.

  1. Mani sagt:

    Ich finde es klasse, dass Sie sich all diese Mühe machen und die Informationen aufbereitet für uns präsentieren. Weiter so!

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