Ghana Tagebuch Teil 7: Das Monster im Wandschrank

Ich bin müde. Meine Augen sind trocken und die Kontaktlinsen, die ich trage, kleben mir die Augenlider zu. Ich will nur noch schlafen. Blinzelnd stolpere ich aus dem Taxi und folge Kofi in ein Gebäude, das eher einem Gästehaus als einem Hotel gleicht.

Ein junger Mann führt uns in das Zimmer, das ich für die nächsten zwei Wochen bewohnen soll. Kaum bin ich drin, möchte ich wieder raus. Hier ist es groß, muffig und feucht.

Kofi steht mitten im Raum, direkt unter der Deckenleuchte, mit der er um die Wette strahlt. Er sieht so glücklich aus, breitet die Arme aus und lacht mich an. Im Vorwege hatte er mir bereits erzählt, er habe das größte und beste Zimmer des ganzen Hotels für mich mieten können.

Ich will ihm jetzt keine Szene machen und gehe stattdessen ins Bad, um meine Kontaktlinsen herauszunehmen. Nachdem ich mir meine Brille auf die Nase gesetzt habe, sehe ich mich um. Das Bad ist geräumig, sauber und in Ordnung. Es gibt eine Badewanne mit Duscharmatur, Toilette, Waschbecken und sogar einen Heißwasser-Boiler, der aber nicht funktioniert. Egal, es ist sowieso viel zu warm und das Wasser lau und erfrischend.

Dagegen sieht das Gästezimmer aus, als sei hier die Zeit vor 40 Jahren stehengeblieben. Die 60er Jahre Möbel scheinen tatsächlich steinalt zu sein. Kein Wunder, dass es so müffelt. Eine Couch, Sessel, Tisch, Schreibtisch, ein großes Bett und ein riesengroßer Wandschrank aus massivem Holz, der eine komplette Wand einnimmt. Außerdem gibt es noch einen Kühlschrank und einen Fernseher, beides Geräte im „modernen“ 80er Jahre Stil, sowie eine Klimaanlage, die Kofi sofort nach dem Betreten des Zimmers eingeschaltet hat.

Ich stehe unentschlossen vor dem großen Wandschrank und überlege, ob ich meine Koffer jetzt auspacke oder erst morgen. Ich öffne eine der sechs Schranktüren und eine Wand aus dicker Luft schlägt mir entgegen. Erschrocken weiche ich einen Schritt zurück.
Boah ey, da hänge ich nie im Leben meine Wäsche rein.
Naserümpfend beuge ich mich vorneüber und versuche, irgendetwas im Schrank zu erkennen, aber das Licht der Zimmerdecke wird einfach vom Innern verschluckt. Das Teil ist ja wirklich riesig und ziemlich tief, da kann man sogar reingehen. Auf einmal höre ich ein Rascheln aus der hintersten Ecke des riesigen Möbelstücks und wie gebannt fühle ich, dass mich da etwas aus der Dunkelheit beobachtet.

Irgendwas lebt in diesem Schrank – das sagt mir mein Instinkt, auch wenn ich es nicht sehen kann. Ein Gefühl des Grauens kriecht mir den Nacken hoch. Panikartig ziehe ich die Luft in meine Lungen und schlage lautstark die Schranktür zu.

Kofi lugt um die Ecke. „Alles in Ordnung?“, fragt er.
Ich nicke heftig und erwidere: „ Ja, alles okay, ich bin nur total müde und möchte schlafen.“
„Ja, dann werde ich wohl gehen. Wir sehen uns morgen früh, ja?“

Nein! Kofi darf jetzt nicht gehen! Ich bleibe doch nicht hier allein mit dem Schrankmonster! Ich bitte Kofi, heute Nacht hier zu bleiben. Er ist einverstanden und richtet es sich auf der Couch ein. Ich entschließe mich, meine Klamotten erstmal im Koffer zu lassen. Nach einer kalten Dusche schlage ich das Bett auf und stelle erleichtert fest, dass es gut riecht und frisch bezogen ist.

Jetzt will ich einfach nur noch schlafen. Gute Nacht!

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