Partnerbörsen: Die Geschäfte mit der Liebe

netherzAuszug aus einem Artikel bei Spiegel Online. Kompletter Artikel unter spiegel.de

Zwölf Jahre nach dem Start des ersten großen Dating-Portals namens Parship kehrt in Deutschland Ernüchterung ein. Damals wurde Singles der Weg aus der Einsamkeit versprochen. Es klang einfach. Mit wenig Klicks, ein paar persönlichen Angaben und ein bisschen Glück zappelt bestimmt der richtige Fisch im Netz.

Inzwischen stellt sich heraus, dass die Anbieter häufig mit unseriösen Methoden arbeiten. Es wird getrickst bei der Anmeldung, es werden Probeabos angeboten, die am ersten Tag nach Ablauf ein volles Jahres-Abo zur Folge haben. Doch die Findigkeit der Portalbetreiber geht noch weiter.

Der Markt ist hart umkämpft, circa sieben Millionen Deutsche sind auf rund 2000 Partnerschaftsseiten angemeldet. Der Gesamtumsatz des Dating-Geschäfts beträgt 218 Millionen Euro – davon möchten die Anbieter ein möglichst großes Stück abhaben. Das macht kreativ. Inzwischen beschäftigen Portale Lockvögel, die unter falscher, meist weiblicher Identität chatten und flirten, ohne dass es jemals zu einem Treffen kommt. Vor allem männliche Nutzer sollen so animiert werden, teure Premium-Mitgliedschaften einzugehen, denn nur dann können sie die Mails der hübschen, jungen Frauen lesen.

Leere Phrasen, falsche Profile

In Internetforen beklagen User zunehmend, dass immer mehr standardisierte Antworten verschickt werden. Es ist von gleichen Textbausteinen die Rede und von Links, die auf teure Dating-Portale verweisen. „Ich möchte mehr über dich wissen, schreib mir…“ oder „Ich wollte noch ein weiteres Foto von mir hoch laden. Aber es klappt nicht. Folge mir doch auf diese Seite…“.

Die Reaktionen der meist männlichen Betroffenen sind deutlich: „Der letzte Mist!“ – „Es gibt da nur Fake Profile.“ – „So viele Fake Profile, dass mir schlecht wird.“

Hinter den Profilen stecken sogenannte „IKM-Schreiber/innen“ und „Controller/innen“, die wie wild im Netz gesucht werden. In den Stellenangeboten heißt es: „Alles was Sie dazu benötigen, ist ein Internet-Anschluss, gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift und keine Scheu vor Erotik. Sie können ganz einfach und bequem von zu Hause arbeiten, circa 15 bis 20 Stunden die Woche. Bezahlt wird pro erfolgreicher Anmeldung eines neuen Nutzers.“

Ich arbeite einen Monat lang als IKM-Schreiberin für zwei Agenturen und locke einsame und verzweifelte Männer in eine virtuelle Liebesfalle. Ein Gewissen sollte man bei diesem Job nicht mitbringen.

Meine Arbeitgeber beauftragen mich damit, die potentiellen Kandidaten zu bitten, mir auf die kostenpflichtigen Portale Zauber-Love (99,95 Euro für ein Jahr) und eDates (162 Euro für 9 Wochen) zu folgen. Die Hoffnung, dass man sich dann dort endlich verabreden könne, wird selbstverständlich nie erfüllt. Hat sich der Mann erst einmal angemeldet, habe ich meinen Job als IKM-Schreiberin erfolgreich abgeschlossen.

viaPartnerbörsen: Die Geschäfte mit der Liebe – SPIEGEL ONLINE.

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