Fünf falsche Schecks aus England | MAIN-POST

Wegen Falschauskunft in der Sparkasse wäre eine Kundin fast Opfer eines „Überzahlungsbetrugs“ geworden

Das war knapp: Fast wäre Frau Thurn (Name von der Redaktion geändert) aus Schweinfurt Opfer einer seit mehreren Jahren bekannten Scheckbetrugsmasche geworden. Um ein Haar hätte sie 2500 Euro verloren, weil ein Mitarbeiter der Sparkasse Schweinfurt gefälschte Schecks nicht erkannt hat. Nur dank des hartnäckigen Beharrens ihrer Betreuerin wurde die Betrugsnummer vereitelt und die Rücküberweisung eines überzahlten Scheckbetrages ins Ausland in letzter Minute gestoppt.

Frau Thurn, Rentnerin, drei Kinder, 800 Euro Monatseinkommen, will Ende August aus finanzieller Not ihre Querflöte verkaufen. Sie bietet diese im Internet über die Musikhaus-Plattform „thomann.de“ für 500 Euro zum Kauf an. Per E-Mail meldet sich eine Woche später ein Interessent aus England. Für 450 Euro will er die Querflöte kaufen.

Statt exakt diesen Betrag zu entrichten, schickt der Kaufinteressent Frau Thurn per Post fünf American-Traveller-Schecks über jeweils 500 Euro – also 2500 statt 450 Euro. In den Formularen ist Frau Thurns Name schon eingedruckt. Per E-Mail und Prepaid-Handy bittet sie der Käufer, den überzahlten Betrag abzüglich ihrer Kosten (knapp 2000 Euro) zurückzuüberweisen – auf ein Konto in Spanien. Am 2. September löst Frau Thurn die fünf Schecks bei der Sparkasse ein. Es geht problemlos, der Mitarbeiter gibt ihr die Summe bar zum Mitnehmen.

Von diesem Geschäft erzählt Frau Thurn ihrer Betreuerin, einer Mitarbeiterin der Sozialpädagogischen Familienhilfe, die sie im Auftrag des Jugendamtes bei bestimmten Aufgaben unterstützt. Die Betreuerin findet die Umstände dieser Verkaufsabwicklung höchst mysteriös und rät ihrer Klientin dringend davon ab. Sie solle auf keinen Fall 2000 Euro an einen Unbekannten auf ein Konto im Ausland überweisen. Und überhaupt: Wieso hat ihr der englische Käufer Schecks im mehr als fünffachen Wert der Flöte zugeschickt? Dieser übt bereits Druck auf Frau Thurn aus: Sie solle den überzahlten Betrag nunmehr sofort auf das angegebene Konto überweisen. Er wird sonst Interpol und die Schweinfurter Staatsanwaltschaft einschalten.

Am 5. September sagt eine Sparkassen-Mitarbeiterin beim Telefonat mit der Kundin, diese Art von Bezahlung höre sich komisch an. Am gleichen Tag begleitet nun die Betreuerin Frau Thurn zur Sparkasse zu genau dem Mann am Schalter, der ihr die fünf American-Traveller-Schecks eingelöst hatte, und will von ihm wissen, ob diese Art Geschäft mit rechten Dingen zugehen kann. Dieser hat keine Bedenken, hält Überzahlung und Rücküberweisung für etwas Normales. Er wird der Betreuerin gegenüber sogar „etwas pampig“: Wieso sie sich eigentlich einmischt.

Frau Thurn ist ebenfalls sauer, weil ihre Betreuerin eben dabei ist, ihren bislang so schön und schnell ablaufenden Querflötenverkauf zu vereiteln. Der Geldtransfer von knapp 2000 Euro an den unbekannten Käufer in England soll via „MoneyGram“ auf ein spanisches Konto abgewickelt werden. Innerhalb von zehn Minuten ginge dies über die Bühne.

Nur auf hartnäckiges Drängen der Betreuerin geht die Frage, ob diese Art Bezahlung wirklich risikolos sei, vom Schalter ins offenbar besser informierte Back-Office. Eine Mitarbeiterin erkennt die Betrugsmasche sofort. Frau Thurn steht zu diesem Zeitpunkt schon als Scheckbetrügerin in einem internen Verzeichnis.

Die Schecks sind, wie sich herausstellt, wertlose Fälschungen. Frau Thurn gibt die ausgezahlten 2500 Euro an die Sparkasse zurück, die Überweisung von knapp 2000 Euro von ihrem Konto ins Ausland findet nicht statt. Eine Sparkassen-Mitarbeiterin entschuldigt sich tausendmal bei der Kundin. Noch am selben Tag geht Frau Thurn zur Polizei und zeigt den Scheckbetrug an. Wer bei „Google“ den Begriff „Scheckbetrug“ eingibt, stößt an erster Stelle auf „Scheckbetrug aus dem Ausland, Überzahlungsbetrug“. Darunter sind sehr detailliert viele Fälle dieses Betrugsstils aufgelistet.

Die Sparkasse bestätigt den Vorfall. Ihr Mitarbeiter habe die gefälschten Schecks nicht erkannt. Seine Falschauskunft sei aber keine tätige Mithilfe bei einem Scheckbetrug, sondern aus Unwissenheit erfolgt. Er habe sich entschuldigt. Und: „Wäre für die Kundin aus der Falschauskunft ein Schaden entstanden, würde die Kassenversicherung der Sparkasse den Schaden übernehmen.“ Die Überzahlungsmasche sei ein „bekanntes Verfahren zum Betrug“. Die Sparkasse werde ihre Mitarbeiter „noch intensiver über bekannte Betrugsvorgänge informieren. Sie sollten „nur dann Auskünfte zu geben, wenn der Sachverhalt zuverlässig beurteilt werden kann“.

Der Ermittler der Polizei bestätigt den Eingang der Anzeige. Die fünf gefälschten Schecks, Briefkuvert und Briefmarke werden kriminaltechnisch auf Fingerabdrücke und DNA untersucht. Der Betrüger müsse einen Helfer in Deutschland haben, die Schecks seien aus dem Münchner Raum nach Schweinfurt versandt worden. Die Überzahlungsmasche wird der „Nigeria-Connection“ zugeordnet und ist, so der Polizeibeamte, seit vielen Jahren bekannt.

Originalartikel via Fünf falsche Schecks aus England | MAIN-POST Nachrichten für Franken, Bayern und die Welt.

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