Herzensbrecher wider Willen

Internetbetrug: Wie Facebook-Fotos Frank Gußmann aus dem Kreis Aschaffenburg zum Verhängnis wurden. Mit seinen Fotos wurden schon viele Herzen gebrochen. Unter zig verschiedenen Namen geistern seine Bilder durch das Internet. Dennis Newmark, Dennis Agbeme, Mark Wilson… die Liste seiner Identitäten ist lang. Dass der Mann auf den Fotos eigentlich Frank Gußmann heißt und seine Facebook-Bilder von einem Betrüger benutzt werden, um Frauen auf Partnerportalen zu ködern, werden die meisten Betroffenen wohl nie erfahren.

Der Ursprung von Frank Gußmanns Dilemma liegt eigentlich in einer kleinen Nachlässigkeit, die sich so wohl tausendfach bei Facebook-Nutzern findet: Er hat zahlreiche Fotos auf seinem Profil für jeden sichtbar eingestellt. Fotos aus dem Urlaub in Amerika, auf dem Weihnachtsmarkt, von verschiedenen Partys.
»Dass daraus so eine große Lawine entstehen kann, hätte ich nie gedacht,« gibt der 45-Jährige aus dem Kreis Aschaffenburg zu. Seine vermeintliche Offenheit bei Facebook war für so genannte »Romance-Scammer« eine willkommene Einladung, sich eine neue Identität zu verschaffen.
Ein Rechtsklick auf die Bilder bei Facebook und schon landeten die privaten Fotos von Frank Gußmann auf einem Computer irgendwo in Afrika. Von dort aus waren es nur noch wenige Schritte, bis der 45-Jährige ohne sein Wissen unter Pseudonymen wie »trus_675«, »popopo_love11« oder »limo900« auf dem Partnerportal Friendscout24 nach Frauen-Kontakten suchte.
Anhand der gestohlenen Bilder erfindet der Betrüger eine Lebensgeschichte, chattet über längere Zeit mit den Frauen und fragt irgendwann aus einer angeblichen Notsituation heraus nach Geld. Überweisen die Frauen dann gutgläubig Geld auf ein Konto im Ausland, sind sie endgültig in die Liebesfalle getappt. Das Geld sehen sie in den meisten Fällen nie wieder und auch die Internet-Bekannschaft ist irgendwann wie vom Erdboden verschluckt.
In einem Forum für Opfer von Liebes-Betrügern im Internet tauchen allein mehr als ein Dutzend Profile bei Friendscout24 auf, für die Frank Gußmanns Fotos herhalten mussten. Unter dem Namen »Dennis Newmark« wurde sogar ein weiteres Facebook-Profil mit den Bildern des 45-Jährigen erstellt. Auch auf Google+ hat der gewisse Herr Newmark ein Profil mit Gußmanns Fotos angelegt.
Dass anhand seiner Bilder Frauen um ihr Geld gebracht werden, will Frank Gußmann nicht auf sich sitzen lassen. Doch gegen den Bilderklau vorzugehen, erweist sich als Kampf gegen Windmühlen. Eine Anzeige bei der Polizei wurde nicht aufgenommen, da das alleinige Verwenden der öffentlich zugänglichen Bilder keine Straftat sei, so lange mit den Fotos keine Rechtsgeschäfte getätigt werden. Zu ermitteln, wer hinter den gefälschten Profilen steckt, ist dagegen fast unmöglich, da die Betrüger meist aus Afrika agieren. Auch die Versuche, das gefälschte Profil von Dennis Newmark auf Facebook löschen zu lassen, sind bisher gescheitert. »Man kommt bei Facebook an niemanden direkt ran, sondern kann nur vorgefertigte Formulare abschicken«, ärgert sich Frank Gußmann.
Zwar hat er sein Profil auf Facebook mittlerweile zum großen Teil abgeschlossen, doch dass die kopierten Fotos immer im Netz kursieren werden, damit muss sich Frank Gußmann wohl abfinden.
Christina Kunkel

Original-Artikel: Herzensbrecher wider Willen.

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Ein Kommentar zu “Herzensbrecher wider Willen

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